Ackerfunk April 2020
Neues vom 2000 m² Weltacker
Liebe Freundinnen und Freunde des Weltackers!

Grüße aus dem home-office. Bei uns hat sich das mittlerweile ganz gut eingespielt vom normalen Weltacker über Teamsitzungen und Besprechungen am Bildschirm bis zu den ersten Webinaren. Fragt sich nur wie das nun weitergehen soll.

Gestern habe ich über eine Methode gelesen, die sich „Regnose“ nennt. Die umgekehrte Blickrichtung einer Prognose: Wie wird sich vom Ende des Jahres aus gesehen die gegenwärtige Entwicklung darstellen? Werden wir auf diesen Frühling zurückblicken als Aufbruch in eine neue Achtsamkeit, ein nachdenklicheres Miteinander,eine Neubewertung unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prioritäten? Werden diese Wochen der Einstieg in einen gesellschaftlichen Klima-Wandel gewesen sein, von dem wir längst wussten, dass er nötig ist, uns aber trotzdem nicht vorstellen konnten, dass er auch möglich ist? Rückblickend sind wir jedenfalls eher bereit zu sagen: „wir haben es geschafft!“ Von unten sieht der Berg meist höher aus als von oben.

Ob die Regnose auch für die Wetterlage gnädiger sein wird als die Prognose? Heute schaue ich glücklich in den Nieselregen, der die verstaubten Pflanzen labt nach dem trockensten April seit Menschengedenken und dem wärmsten Frühling unserer Dekade. Ekke Spiegel, unser Weltackergärtner, hatte schwere Verluste zu beklagen und macht sich in unserem Weltacker-Tagebuch darüber Gedanken. Er hat übrigens eine Blogger-Kollegin bekommen: Julia Bar-tal, seit über 10 Jahren dem Projekt verbunden, arbeitet auf dem Biohof Bienenwerder mit Ziegen, Hühnern und Pferden an der realen Lebensmittelversorgung der Berliner, vor allem mit frischem Gemüse. In Ihrem Teil des Weltacker-Blogs beleuchtet sie praktische Seiten der brandenburgischen Agrarproduktion mit und ohne Pferd.

Die Klima-Tomate, zu deren Anbau Gesine Schaumann zusammen mit unserer Saatgut-Kollegin Barbara Keller aus der Oberpfalz auf unserer Bantam-Mais Webseite aufruft, ist ein praktischer Versuch, auch den heimischen Anbau etwas wetterfester zu machen.

Froh sind wir, dass der Berliner Senat uns in diesem und dem kommenden Jahr finanziell unterstützen wird. Auch wenn wir damit noch nicht über den Berg sind ist das ein wichtiger Meilenstein: Nach Jahren der Finanzierung durch überregionale Stiftungen, Bundesämter und –ministerien sind wir nun also endlich auch in Berlin angekommen. Die Zukunft des Weltackers bleibt freilich so dringend wie immer auf Ihre Spenden angewiesen.

Noch können wir Sie nicht wieder zu großen Veranstaltungen, geschweige denn rauschenden Festen auf den Weltacker einladen. Aber es schauen doch immer mehr Menschen mit gebührendem Abstand wieder bei uns im Botanischen Volkspark in Pankow vorbei. Sie können sich dort auch Jungpflanzen abholen, die wir eigentlich für Pflanzentauschmärkte vorgezogen hatten.
Schauen Sie ruhig mal vorbei!

Der Weltacker gedeiht auch im Lockdown. Der Vermummte, dem Sie auf dem Weltacker zwischen 9 und 15 Uhr begegnen, ist Ekke Spiegel unser neuer Weltackergärtner. Hier im Bild beim Klimastreik mit Fridays for Future. Er wird Ihnen, soweit es die Frühjahrsbestellung zuläßt, den Acker zeigen und wenn Sie nett zu ihm sind, auch ein paar Jungpflanzen für ihren Balkon oder Vorgarten mitgeben (ab 15.Mai Fr & Sa sogar bis 17 Uhr). Klima-Tomaten zum Beispiel oder auch Sorghum-Hirse. Die ist nicht nur dekorativ sondern in vielen Regionen der Welt das Getreide für die Grundversorgung in dürren Jahren.
Die Klimatomate

Peter Köhler, alias Krautbock, bereitet hier im Interkulturellen Kleingarten Lichtenberg das Beet für unseren diesjährigen Anbauversuch mit der "Klimatomate" vor. Sie soll Hitze und Trockenheit deutlich bessser ertragen und dennoch Ertrag bringen. Durch die tiefere Verwurzelung soll sie mit wenig oder gar keiner  Bewässerung auskommen. Das funktioniert nicht überall gleich gut, ist aber einen Versuch wert. Ein paar Tricks sollten Sie dabei allerdings anwenden. Unserer Anleiterin, Barbara Keller von open house in der Oberpfalz verrät sie Ihnen, auch per Video.

Wir pflanzen in Mischkultur mit Eiskraut als besonders effektivem und anspruchslosem Bodenbedecker. Eiskraut eignet sich als Salat, kann aber auch wie Spinat zubereitet und verzehrt werden und ist dabei genauso gesund.

Es wäre schön, wenn Sie sich an unserem Anbauversuch beteiligen, in Tat, Wort (Fragebogen) und Bild (Foto / Video). Alles weitere erfahren Sie auf der Webseite unserer Aktion Bantam-Mais, die sich seit 2005 für samenfeste Sorten und eine gentechnikfreie Landwirtschaft einsetzt.
Einmischen in die EU-Agrarpolitik

Wir haben noch eine grosse Bitte: Helfen Sie uns, die Europäische Bürgerinitiative "Save bees and farmers" zum Erfolg zu führen. Sie ist eine der wenigen europaweiten Bürgerbewegungen zur gegenwärtigen Agrarpolitik der EU. Sie haben es vielleicht gelesen: Der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments hat gerade dafür gestimmt, dass in den kommenden zwei Jahren alles so weiter gehen soll wie bisher. Nicht einmal die kleinen Verbesserungen, die bisher vorgesehen waren, sollen umgesetzt werden. In Brüssel stehen die Zeichen auf roll-back: Wegen Corona wurden die "farm to fork" Strategie und  wesentliche Teile des "Green New Deals" verschoben. Die Fleischindustrie fordert Exportsubventionen und die alten Lobby-Seilschaften versuchen hinter dem Corona-Vorhang alles zu verhindern und zu verwässern was nach Umwelt- und Klimaschutz aussieht. 320.000 Unterschriften haben wir dagegen schon zusammen. 1 Million müssen es bis September werden. Das schaffen wir jetzt nur mit sehr, sehr viel Unterstützung. Fangen Sie bitte mit Ihrer Unterschrift hier an und helfen Sie, den Aufruf weiter zu verbreiten. Vielen Dank!
Und außerdem ...

Als Teil der Fridays for Future Webinarreihe #WirBildenZukunft hat Benny Härlin von unserem Projekt den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Klimagerechtigkeit erklärt. Den Beitrag kann man hier nachschauen.
 
Unser Kalender ist zwar nicht so gut gefüllt wie üblich - aber leer ist er deshalb keineswegs. Schauen Sie gerne mal nach.

Bei uns steht außerdem noch ein Fahrrad seit der Saatguttauschbörse (25.02). Falls Sie es bei uns vergessen haben, oder wissen, wem das Fahrrad gehört, dann melden Sie sich bitte bei uns! 

Leiten Sie diesen Newsletter gerne weiter!
facebook twitter youtube instagram